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Workshop-Energizer mal anders gedacht

Fokussierung: das Gegenteil von Aktivierung?

Lesezeit: etwa 10 Minuten

Zimbeln können hilfreich sein zum Beenden der Sammlung

Typisches Element in einer Workshop-Agenda: der Energizer zum Start oder nach der Mittagspause. Übrigens auch der am häufigsten gesuchte Inhalt auf workshopmacher.de! Häufiges Ziel der Energizer: die Teilnehmer:innen der Veranstaltung sollen angespornt, müde Geister munter gemacht werden. Ich experimentiere mit dem (scheinbaren) Gegenteil vom Energizer, nämlich der Fokus-Methode, dem Innehalten, der Sammlung.

Beschreibung Fokus-Methode

Bei der Fokus-Methode handelt es sich im Grunde um eine Kürzest-Meditation. Nicht jede:r Teilnehmer:in ist dafür offen, deswegen formulieren wir diese Methode ausdrücklich als Einladung und bitten Teilnehmer:innen, die nicht mitmachen möchten nur darum, sich still zu verhalten.

Material

Außer Bestuhlung ist kein Material notwendig. Falls die Moderator:innen nicht selbst durchführen wollen, kann eine Meditations-App wie beispielsweise 7Mind geeignet sein, die kurze Meditationen anbietet. Diese bitte vorher unbedingt testen, damit es zum Inhalt des Workshops gut passt!

Verwendung im Workshop

Ablauf

Die Moderator:innen laden die Teilnehmer:innen ein, sich für wenige Minuten bequem hinzusetzen und die Augen zu schließen. Vielleicht sogar, wenn die Teilnehmer:innen bis hierhin mitgegangen sind: ein paar Atemzüge zu verfolgen. Spätestens hier werden Assoziationen zur letzten Yoga-Stunde wach, da die Einladung dieselbe ist. Meist lohnt sich der Hinweis, dass es nicht viel esoterischer wird, um kritische Teilnehmer:innen einzuladen, mitzugehen.

Je nach Workshop-Inhalt können nun Impulsfragen genutzt werden, um die Teilnehmer:innen zu fokussieren, zum Beispiel aus einem Visionsworkshop:

Nach ein paar Sekunden Stille hole ich die Teilnehmer:innen zurück ins Hier und Jetzt. Es kann lohnenswert sein, diese Gedanken aufschreiben zu lassen -- jedoch nicht, um diese mit der Gruppe zu teilen.

Im Workshopdesign: Wann aktivieren, wann fokussieren?

Im Workshopdesign achten wir auf die Dramaturgie bzw. den Spannungsbogen über den Tagesverlauf. Die Teilnehmer:innen sollen am Ende des Tages weder vollkommen ausgelaugt noch nur bespaßt worden sein. Heißt konkret: auf intensive, dialogorientierte Phasen folgen häufig stille und fokussierte Anteile, die individuelle Räume öffnen, allein und fokussiert zu arbeiten.

Die Fokusmethode ist nur oberflächlich betrachtet das Gegenteil von Aktivierung, denn der Zweck ist ein anderer: hier wird die Aufmerksamkeit gelenkt, nicht die Verbindung zwischen den Teilnehmenden. Spielerische Energizer sind hervorragend geeignet, um Gruppen zusammenzubringen und schnell "das Eis zu brechen". Wenn das jedoch bereits gegeben ist, werden Energizer schnell als "Spielchen" vertan und Teilnehmer:innen reagieren mitunter sensibel auf die scheinbare Infantilisierung (Anmerkung: wie immer kommt es auf die richtige Einladung an). Im Vergleich dazu helfen Kürzest-Meditationen, die Aufmerksamkeit der Teilnehmer:innen zu bündeln, sollten aber auch sensibel eingesetzt werden.

Zusammenfassung des Artikels

Herzlichen Dank, lieber Andreas Stolz, für die Inspiration!

Foto: eigenes Bild

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